God’s Own Country

„Muss man sehen“ kulturmovies

Als God’s own Country bezeichnen Einheimische die archaische Landschaft im englischen Yorkshire. Regisseur Francis Lee stammt aus dieser Gegend, in der er auch seinen Debütfilm ansiedelt: Der wortkarge Jungbauer Johnny kümmert sich um die Farm seines kranken Vaters, doch als der gutaussehende rumänische Wanderarbeiter Gheorghe auf dem Bauernhof anheuert, gerät sein verstocktes Männlichkeitsgehabe ins Wanken. Was zunächst als offen ausgelebte Feindseligkeit beginnt, entwickelt sich über diverse Balzrituale zu einer Affäre, die Johnny mehr und mehr mit Sehnsüchten konfrontiert, die er sich selbst nicht zugesteht. Natürlich liegt der Vergleich mit „Brokeback Mountain“ auf der Hand: Auch Lees romantisches Drama spielt in einer Welt, in der Zuneigungsbekundungen als Schwäche ausgelegt werden und Homosexualität tabu ist. Doch „God’s own Country“ kann sehr viel mehr als Ang Lees Erfolgsfilm: Neben den realistischer wirkenden, weniger verklemmten Sexszenen ist es vor allem das grandiose Zusammenspiel der beiden Schauspieler Josh O’Connor und Alec Secareanu, denen bei aller Sprachlosigkeit mit Blicken und Gesten eine deutlich tiefere Figurenzeichnung gelingt. Francis Lee nutzt die ehemalige englische Grafschaft nicht nur als karge Kulisse, er macht sie auch zum Spiegel für die inneren Konflikte seiner Figuren. cs

God's Own Country (Poster)