Glücklich wie Lazzaro

„Muss man sehen“ kulturmovies

Regisseurin Alice Rohrwacher hat einen humanistischen Komplementärfilm zu ihrem Vorgänger „Land der Wunder“ gedreht: Dort ging es darum, wie die Moderne in Form eines Fernsehteams in ländliche Strukturen eindrang; hier erzählt Rohrwacher vom Übertritt der alten in die neue Welt: „Glücklich wie Lazzaro“ spielt auf einem abgelegenen italienischen Landgut, dessen ahnungslose Bewohner von der Marquesa Alfonsina de Luna wie Sklaven gehalten werden. Der gutmütige Lazzaro freundet sich mit Tancredi an, dem Sohn der Marquesa, der dem Treiben seiner Mutter ein Ende setzen will. Als der Betrug auffliegt, verschwindet Tancredi, und Lazzaro treibt es auf der Suche nach ihm in die große Stadt. Hier transzendiert Rohrwacher den Realismus, lässt etwa durch unmögliche Altersunterschiede den Eindruck entstehen, Lazzaro sei tatsächlich in die Zukunft gereist. Der Protagonist trägt den Namen des biblischen Lazarus natürlich nicht zufällig: „Glücklich wie Lazzaro“ ist eine Heiligengeschichte, meint aber die Realität, wenn Rohrwacher die ausbeuterischen Hierarchien freilegt. Über der Marques steht das Gesetz, die von ihr Ausgebeuteten aber nutzen Lazzaros Güte ebenfalls aus, lassen ihn am härtesten schuften, weil er am wenigsten hinterfragt. Rohrwacher stellt ihn ans Ende der Nahrungskette – und schenkt ihm dafür ein Wunder. sb

Glücklich wie Lazzaro (Poster)