Gloria

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Nein, Gloria ist keine der sogenannten Powerfrauen, die auch weit jenseits des Zeitschriftenlesern, Webportalnutzern und Film- und Fernsehzuschauern zumutbaren Alters noch sexy sind und ihr Leben tatsächlich noch nicht abgeschrieben haben. Ja, Gloria (Paulina García) hat Power. Aber sie hat eben auch alles andere, das zum Leben als geschiedene Frau gehört – Einsamkeit, Verzweiflung, Sehnsüchte, Krisen, entfremdete Kinder. Sie stolpert und steht wieder auf, sie nimmt ihr Herz in die Hand und verliert es, sie kifft und trinkt und lebt mit dem Kater, auch wörtlich. Und wenn der neue 65-jährige Freund sie verletzt, weil er sich nicht von seiner Familie lösen kann oder will, na, dann trifft es sich doch, dass er seine Paintballpistole in Glorias Kofferraum vergessen hat …

„Gloria“ – einfach eine Geschichte über das Leben

Der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, Jahrgang 1974, wollte einen Film drehen für die Generation seiner Mutter, Frauen, mit denen es das Leben nicht so gut meinte, die sich aber nicht unterkriegen lassen. Mit Paulina García (Silberner Bär Berlinale 2012) hat er die ideale Darstellerin für diese Aufstehmännchen-Grandezza gefunden: Wenn sie mit Omabrille, Zigarette und Cocktail in der Hand durch die Singlepartys und Bars von Santiago de Chile stolziert, mit diesem müd-mondänen Gesicht, an dem die Schwerkraft zu zehren scheint – dann ist das nicht das Feelgoodmovie, als das „Gloria“ im Presseheft ausgerufen ist. Es ist einfach eine Geschichte über das Leben, das auch mit 58 noch so scheiße und toll ist wie mit 18, 38 oder 78. (vs)

Gloria (Poster)