Global Player – Wo wir sind isch vorne

„Sollte man sehen“ kulturmovies

In der schwäbischen Provinz, umgeben von Bergwiesen und Einfamilienhäusern, reicht ein gelber Porsche, um aufzufallen. In Shanghai ist das schon schwieriger – gegen grell leuchtende Werbetafeln an den Fassaden gigantischer Wolkenkratzer sieht man auch als Geschäftsführer einer deutschen Textilfabrik schnell mickrig aus. Michael Bogenschütz (Bach) hat das schon während seines ersten Besuchs beim chinesischen Branchenriesen verstanden: Eine Chance gegen die kostengünstige Konkurrenz aus Fernost hat das Familienunternehmen nur, wenn man mit den Chinesen zusammenarbeitet – und Michael den Vorstand mit seinem Porsche besticht. Seniorchef Paul (Schultheiß) will aber nicht dabei zusehen, wie sein verweichlichter Sohn sein Lebenswerk an die „Kines“ (Schwäbisch für Chinesen) verscherbelt … Hannes Stöhrs Tragikomödie ist durchzogen von Gegensätzen, die unbedingt versöhnt werden wollen: alt und jung, lokal und global, Tradition und Moderne. Was bei den Figuren noch einigermaßen funktioniert, klappt auf der Erzählebene nicht so gut: Mit Globalisierung, Generationenkonflikt und klischeehafter Thematisierung des Zweiten Weltkriegs verbindet Stöhr zu viele Themen miteinander. Ergebnis seiner Ambitionen ist daher nicht die angepeilte vielschichtige Familienkomödie, sondern ein überladener Fernsehfilm – auf Schwäbisch. (no)

Global Player - Wo wir sind isch vorne (Poster)