Girl

„Muss man sehen“ kulturmovies

Die 16-jährige Lara (Victor Polster) ist in einem Jungenkörper gefangen. Sie nimmt Hormone, um ihr biologisches Geschlecht an das soziale anzugleichen, muss aber noch zwei Jahre auf die Operation warten, durch die sie endlich diesen verhassten Penis los wird. Zusammen mit ihrem verständnisvollen Vater zieht sie nach Brügge, um sich am Konservatorium zur Ballerina ausbilden zu lassen. Doch nach und nach merkt Lara, dass sich ihre Träume nicht vereinbaren lassen: Einerseits hungert sie gegen ihren Körper an, der immer männlicher und sehniger wird, andererseits fordert der Unterricht höchsten körperlichen Einsatz. Statt die Transgenderthematik effekthascherisch und klischeebeladen zu verhandeln oder sich vor allem auf die Reaktionen des Umfelds zu konzentrieren, fokussiert sich der belgische Regisseur Lukas Dhont in seinem Debüt auf die inneren Kämpfe Laras. Immer wieder konfrontiert er sie mit ihrem männlichen Spiegelbild und begleitet sie mit der Handkamera beim Balletttraining. Schmerz, Verzweiflung und unbedingter Wille: Nicht zuletzt dank des sensiblen Spiels seines Hauptdarstellers macht Dhont mit „Girl“ einen Identitätskampf fühlbar. cs

Girl (Poster)