Ginger & Rosa

„Sollte man sehen“ kulturmovies

In Sally Potters Virginia-Woolf-Verfilmung „Orlando“ ging es um Transformation und Geschlechterwandel. In „Ginger & Rosa“ beschäftigt sich die 63-jährige Regisseurin wieder mit der körperlicher Veränderung, diesmal milder, als Coming-of-Age in den frühen 60ern in England. Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) sind um die 16 und beste Freundinnen, was Potter mit weichen, erdigen Farben einrahmt und in das dominierende Grau des Himmels und des trostlosen London einbettet wie in Watte. Als Rosa eine Affäre mit Gingers systemkritischen Vater Roland (Alessandro Nivola) anfängt, muss Ginger, die besessen ist von der drohenden Apokalypse eine Atomkriegs, erwachsen werden … Potter hat zwei Hauptthemen: Zum einen den Wertewandel in den 60ern Jahren – Roland und die Mädchen lehnen traditionelle Familienmodelle und Geschlechterrollen rigoros ab. Zum anderen die Entwicklung Gingers vom dichtenden Teenie zur desillusionierten, aber daran gereiften Frau. Der nukleare Holocaust ist eine recht schwerfällige Metapher für den Zusammenbruch von Gingers Mädchenwelt und für ihr sexuelles Erwachen. Elle Fanning aber spielt diese Transformation so nuanciert, dass man die Schwächen des Films vergisst und nur Augen für ihre Leistung hat. (vs)

Ginger & Rosa (Poster)