Free Rainer – Dein Fernseher lügt

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Kanal voll: Müllfernsehen-Macher Rainer (Moritz Bleibtreu) hält seinen Job bei einem zynischen Privatsender nur noch mit Drogen und Alkohol aus. Nach einem Mordversuch durch die junge Pegah (Elsa Sophie Gambard), die ihren Opa durch fahrlässige Berichterstattung unter Rainers Verantwortung verlor, schaut das TV-Monster kurz ins Jenseits, das aus Showdreck vor sabberndem, debilem Publikum besteht. Rainer überlebt, und der Saulus wird zum Paulus. Mit Hilfe Pegahs und ein paar Sozialverlierern will der bekehrte Producer die Quoten manipulieren, um gute Werte für gute Sendungen zu erzwingen … Hans Weingartner ist viel zu emotional, polemisch und persönlich entrüstet, als dass seine Filme eine kritische Distanz bewahren könnten, und die Aussage eines Film steht für ihn grundlegend über seiner Form – der Zweck heiligt die erzählerischen Mittel. Weingartner will nicht nur feststellen, er will motivieren, aufzeigen, verändern, dem passiv konsumierbaren Medium Film aktive Folgen verleihen. Vehement ruft „Free Rainer“ zu einer Kulturtrevolution auf, macht das Fernsehen für die Abstumpfung der Menschen verantwortlich und unterstellt der televisionären Unterhaltungsindustrie fachistoide Tendenzen.

„Free Rainer“ schafft eine schöne, neue, wünschenswerte Welt

Das tut Weingartner mit denselben Mitteln wie schon in „Die fetten Jahre sind vorbei“: Gegen die Auswüche des Kapitalismus stellt der Österreicher eine Gruppe idealistischer Menschen, die gewaltlos gegen das System aufbegehrt, weil sie nicht mehr zusehen wollen, wie die Welt vor die Hunde geht. Dabei bedient sich Weingartner offen nicht nur fast identischer Szenen aus „Die fetten Jahre sind vorbei“, sondern auch der Mittel britischer Kumpelkomödien wie „Ganz oder gar nicht“ und der erwartbaren Dramaturgie eines Mainstreamfilms. Das ist insofern legitim, weil er möglichst viele Zuschauer erreichen will. Ein Arthausfilm über das Übel Fernseher hätte kaum Aussicht auf Erfolg; ein konventioneller Film über die Abarten der entarteten Konventionalität hat aber zumindest ein kleines Glaubwürdigkeitsproblem. Weingartner weiß um diese Untiefe, er riskiert sie. In seiner filmischen Utopie schaut am Schluss eine ganze Nation Fassbinder-Filme. Schöne, neue, wünschenswerte Welt. (vs)

Free Rainer - Dein Fernseher lügt (Poster)