Frantz

„Sollte man sehen“ kulturmovies

François Ozon ist ein Streber. Jemand, der Filmgenres von Thriller über Boulevardkomödie bis Science-Fiction und Melodram detailgenau nachbaut und sich dann das verdiente Lob für seinen Fleiß abholt. „Frantz“ ist nun eine verschachtelte Verlustgeschichte aus der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg: Eines Tages steht der Franzose Adrien am Grab von Annas im Krieg gefallenen Verlobten Frantz – anscheinend kannte er Frantz von der Zeit vor dem Krieg. Aber darf der Feind so einfach mit einem trauern? Die erste Stunde über zeigt Ozon eine verstörte Gesellschaft in bis fast zum reinen Schwarzweiß farbentsättigten Bildern, das Kleinstadtpanoptikum ist grundiert mit bedrohlichem Nationalismus, der „Frantz“ in die Nähe von Michael Hanekes formal vergleichbarem „Das weiße Band“ rückt, freilich ohne dessen inhaltliche Schärfe. „Frantz“ bleibt Ausstattungskino, das edel aussieht, aber wenig zu sagen hat. Bis Ozon nach einer Stunde einen radikalen Schwenk vollzieht, das immer ein wenig nach Mittelalter aussehende Quedlinburg verlässt und seine Geschichte in Frankreich weitererzählt, als entrückte Detektivstory. Dem Film tut dieser Tonartwechsel gut, auch wenn die Dringlichkeit von „Frantz“ damit endgültig dreingegeben wird. Trotzdem – Ozon hat hier sogar zwei Genres bedient, er hat das geschickt gemacht, und das verdient natürlich wie immer Lob. (fis)

Frantz (Poster)