Francofonia

„Sollte man sehen“ kulturmovies

1940, im von Deutschland besetzten Paris: Die Kunstschätze des Louvre sind ausgelagert und damit dem Zugriff der Nazis entzogen. Wehrmacht-General Wolff-Metternich (Benjamin Utzerath) soll die Kunst zurück in die Hauptstadt holen und beginnt, mit Museumsdirektor Jaujard (Louis-Do de Lencquesaing) zu verhandeln. Bis beide Männer spüren, dass sie das gleiche Interesse haben: die Kunst vor der Barbarei zu retten … Nazis als sensible Kunstfreunde? Hitler, der beim Einmarsch in Paris als erstes fragt, wo denn der Louvre sei? Als reines Historiendrama wäre Alexander Sokurovs „Francofonia“ nur schwer zu ertragen. Aber der Grandseigneur des russischen Avantgardekinos schaltet mehrere Ebenen dazwischen: ein Skype-Gespräch zu einem mit Kunstwerken beladenen Containerschiff, das sich durch einen schweren Sturm kämpft, zu Napoleon und Marianne, die durch die Gänge des Museums geistern und über die Ideale der Französischen Revolution räsonnieren. Das Ergebnis ist eine vielschichtige, überraschend ironische Liebeserklärung an die Kunst, die für Sokurov eine Art passiven Widerstand gegenüber den Zumutungen der Politik darstellt. Das kann man, gerade auch im Blick auf die Arbeit des Regisseurs in Putins Russland, als verwerflichen Eskapismus deuten. Als kleiner Bruder des so gefeierten wie umstrittenen Eremitage-Films „Russian Ark“ (2002) ist „Francofonia“ aber auf jeden Fall ein wichtiger Meilenstein im umfangreichen Werk Sokurovs. (fis)

Francofonia (Poster)