Fräulein Julie

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Aus Schweden wurde Irland – Liv Ullmann hat August Strindbergs Kammerspiel „Fräulein Julie“ aus der schwedischen Provinz des Jahres 1894 in die irische Provinz des Jahres 1890 verlegt. Ein Eingriff in die Vorlage, der allerdings weniger eine eigene Regiehandschrift beweist als vielmehr Pragmatismus: Die norwegisch-irisch-französische Koproduktion wurde auf Englisch gedreht, und insbesondere Colin Farrell verleiht seiner männlichen Hauptrolle einen unverkennbaren Dubliner Slang. Der Wechsel vom skandinavischen Protestantismus in den irischen Katholizismus wird hingegen an keiner Stelle thematisiert, die Figuren sprechen weiter, als ob sie sich in Schweden aufhalten würden. Das muss man feststellen: Bergman-Actrice Ullmann klebt als Regisseurin streng bis zur Einfallslosigkeit an Strindberg. Was von den großartigen Darstellern – neben Farrell noch Jessica Chastain in der Titelrolle und Samantha Morton – aufgefangen wird, die das Kammerspiel zum Psychothriller erweitern. Die Geschichte einer Frau, die ein erotisches Spiel zwischen Dominanz und Unterwerfung spielt und nicht merkt, dass sie sich in einer Klassengesellschaft bewegt, in der Dominanz und Unterwerfung etwas ganz anderes bedeuten, kommt zu ihrem Recht, sie wurde so aber schon öfter erzählt. Übrig bleiben hochmotivierte Schauspieler, die in einem museumshaften Ambiente eine Handlung behaupten, deren Relevanz für die Gegenwart vage bleibt. (fis)

Fräulein Julie (Poster)