Fish Tank

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Mia (Katie Jarvis) ist 15 und von der Schule geflogen. Mia läuft und läuft, treibt die Handkamera vor sich her, durch ein England, das nur aus Autobahnen, Wohnsilos, brachliegenden Industrieflächen und Parkplätzen besteht. Mia spricht nicht viel, sie beobachtet lieber. Dann und wann bricht die Wut aus ihr raus, danach verstummt sie wieder und läuft weiter, ihr grauer Jogginganzug eine Rüstung gegen die Welt. Manchmal lächelt sie, dann, wenn sich jemand nicht von ihren ausgespuckten Flüchen beirren lässt. Wie Connor (Michael Fassbender), der neue Freund ihrer Mutter. Mia verliebt sich in den doppelt so alten Sicherheitsbeamten, er ist der erste Mann, der um sie wirbt. Andrea Arnolds Film spielt zwar in Essex, aber die verzweifelte, von der Gesellschaft um eine Perspektive betrogene Mia könnte genauso gut in Essen, Hamburg oder Berlin wohnen – soziales Elend ist omnipräsent. Katie Jarvis wurde auf einem Bahnhof in Essex entdeckt und engagiert; die zur Drehzeit 17-Jährige ist, was sie spielt: rau, authentisch, verletzlich. Eine Entdeckung, wie der ganze Film. (vs)

Fish Tank (Poster)