Finsterworld

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Es war einmal … ein idyllisches Märchenland-Deutschland, über das Cat Stevens „I listen to the wind/the wind of my soul“ hinwegsang und in dem immerimmer die Sonne schien. Buttrig-gelb warf sie ihre sanften Strahlen über Wiesen und Wälder und auf Cops mit Pelztierkostümtick, verliebte Fußpfleger, die Rentnerhornhaut in Kekse einbacken, auf reiche Biokonsumentenärsche in SUVs, zickige Doku-Filmerinnen und SS-artige Eliteschüler auf Ausflug, die andere Teens wie Hänsel und Gretel in die Öfen schubsen – in die von Auschwitz … Regisseurin Frauke Finsterwalder gibt dieser satirisch-surrealen Welt ihren Namen, es ist ihre Finsterwelt, in der die kunstvoll bis künstlichen Dialoge (Mitarbeit: Finsterwalders Mann, Schriftsteller Christian Kracht) nussknackergleich die Lügenverschalung um die Wahrheiten und Euphemismen aufbrechen – und fast den ganzen Episodenfilm bersten lassen vor Abgründigem, Bedeutungsschwangerem, Symbolischem.

„Finsterworld“ ist voller Abgründigem, Bedeutungsschwangerem, Symbolischem

Finsterwalders Bestandsaufnahme der Heimat (sie lebt in Ostafrika) blickt auf das bürgerliche deutsche Herz und sieht dort – es gab schon Originelleres – Einsamkeit, Isolation. Eine Gesellschaft von einsamen, von den anderen, so nah diese auch stehen, isolierten Menschen. Ein Land der einengenden Räume, Traditionen, tradierten Normen, wo Schlachtfelder hinter Bilderbuchlandschaften lauern, die Sensiblen hingerafft und die Wohlmeinenden und Friedlichen weggesperrt werden – während die Bösen davon- und auch noch das Mädchen bekommen. Und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende … (vs)