Finnischer Tango

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Dass jeder Aki-Kaurismäki-Fan weiß, wie gut die scheinbaren Widersprüche „Finnland“ und „Tango“ harmonieren, hilft dem Akkordeonisten Alexander (Christoph Bach) und seiner kleinen Kapelle wenig. Ohne Publikum und gedemütigt von konkurrierenden Punkbands heizen sie mit ihrem alten Bus durch die norddeutsche Nacht – und von der Fahrbahn. Der Fahrer stirbt, die Freundschaft der Überlebenden geht zu Bruch, Alexander sitzt auf der Straße. Um einen Job bei einem Behindertentheater zu bekommen, simuliert er Epilepsie und findet sich prompt in eine Behinderten-WG wieder. Je mehr er sich bei der süßen Betreuerin (Mira Bartuschek), dem notgeilen Mädchen mit dem Downsyndrom (Nele Winkler) und dem dandyhaften MS-Patienten (Fabian Busch) einlebt, desto schwieriger wird es für Alexander, sein Lügengebäude vorm Einsturz zu bewahren. Leider ist die Handlung von Buket Alakus’ Film zu schablonenhaft konstruiert, zu vorsichtig bleibt die Kamera, zu sehr verhaart die Regie in Zurückhaltung. Unter der Last des guten Willens geht jene höchst vitale Intensität verschütt, die Alakus noch in der Fußballtragikomödie „Eine andere Liga“ auf die Leinwand zauberte. „Finnischer Tango“ ist ein sympathischer Film, dessen erzählerische Mittel nur phasenweise im Stande sind, sein spürbares Potenzial auszureizen. (rk)

Finnischer Tango (Poster)