Falling

„Muss man sehen“ kulturmovies

John (Viggo Mortensen) nimmt seinen an Demenz erkrankten Vater Willis (Lance Henriksen) bei sich zu Hause auf. Doch das Verhältnis der beiden ist stark zerrüttet: Während Willis seinen Frust über gescheiterte Beziehungen und der schwindenden Selbstkontrolle an anderen auslässt, lebt John ein selbstbestimmtes Leben mit Ehemann und adoptierter Latino-Tochter in Kalifornien. Mit seinem weltoffenen Lebensstil verkörpert er so ziemlich alles, was der konservativ geprägte Willis mit seinem veralteten Bild von Männlichkeit ablehnt. Stoisch erträgt John die cholerischen Tiraden an Respektlosigkeiten seines Vaters, bis die Schmerzgrenze erreicht ist …

In seinem Regiedebüt zeichnet Mortensen („Der Herr der Ringe“, „Green Book“) ein einfühlsames Vater-Sohn-Drama, das von Ruhe und Subtilität geprägt ist. Mit langen Kameraeinstellungen und wenig Handlung wird der Film maßgeblich durch Henriksens („Aliens – Die Rückkehr“) natürlich wirkendes Spiel getragen: In der Rolle des alten verbitterten Mannes scheint er weniger Schauspieler als vielmehr er selbst zu sein. Dabei bleibt die Sicht auf Willis’ Aggressionen nicht distanziert; extreme Nahaufnahmen lassen ihn wie ein verängstigtes Tier wirken, das in die Ecke drängt wird. In diesen Momenten zeigt der Film das ambivalente Bild eines zutiefst verunsicherten Menschen. Mortensen, dessen Eltern beide an Demenz erkrankten, gelingt nicht nur ein persönlicher, sondern vor allem empathischer Blick auf die ohnmächtige Wut, die Vater und Sohn zugleich erleben. jb

Falling (2020) (Poster)