Ema

„Muss man sehen“ kulturmovies

Zum ersten Mal zeigt uns Regisseur Pablo Larraín seine Hauptfigur Ema (Mariana Di Girolamo) dabei, wie sie mit einem Flammenwerfer bewaffnet durch die nächtlichen Straßen der chilenischen Stadt Valparaíso streift. Warum? Wohin? Mit den Antworten lässt sich Larraín Zeit, darauf muss man sich einlassen. Wie wir später erfahren, ist die vermeintliche Pyromanin Ema eine Tänzerin, deren Ehe mit Gaston (launisch und egozentrisch: Gael García Bernal), dem Choreografen ihrer Tanzkompanie, gerade spektakulär in die Brüche geht.

Die Details sind vage: Da ist ein verstoßener Adoptivsohn, das verbrannte Gesicht seiner Schwester und die Abscheu, die die junge Mutter von allen Seiten zu ertragen hat. Larraín fädelt diese Szenen zunächst zwischen Tanzmontagen ein, die Ema zum warmen Score von Nicolas Jaar in einem ganz anderen Licht zeigen: ganz bei sich, geladen, wütend. Das prekäre Ungleichgewicht dieser Bilder deutet bereits an, dass bald alles zusammenbricht. Was folgt ist eine ebenso verspulte wie fesselnde Herausforderung von Rollenbildern, Sexualität und Familienstrukturen. jl

Ema (Poster)