Eine dunkle Begierde

„Sollte man sehen“ kulturmovies

David Cronenberg schraubt für uns die Zeit zurück zur Geburtsstunde der Psychoanalyse. Er zeigt, wie hinter den im gleißenden Sonnenlicht erstrahlenden Fassaden der pittoresken Schweiz Professionalität und Begierde, Moral und Menschlichkeit kollidieren. Dialoglastig, zwischen Historienfilm und Drama angesiedelt, dokumentiert Cronenberg die Zusammenarbeit von Carl Jung (Michael Fassbender) mit seinem wissenschaftlichem Vorbild Sigmund Freud (Viggo Mortensen), die im Zuge der Behandlung der jungen Sabina Spielrein (beängstigend gut: Keira Knightley) zunehmend problematischer wird. Denn die verstörte und doch intelligente und attraktive Frau zieht zunächst Jung und später auch Freud in ihren Bann – sämtliche Grenzen verwischen, und eine Entzweiung der Psychoanalyse-Legenden scheint schließlich unvermeidbar. Der oft fast dokumentarische Stil des Films ist dabei aus historischem Blickwinkel durchaus interessant, hat allerdings auch seine Längen – für Kenner der Materie allerdings kein Hindernis. (lan)

Prädikat besonders wertvoll

Eine dunkle Begierde (Poster)