Eine Dame in Paris

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Bei Ilmar Raags Kammerspiel haben wir es mit einem weiteren Fall von „Ziemlich beste Freunde“ zu tun, diesmal in einer weiblichen Version. Die betagte estnische Exilantin Frida ist so gebrechlich geworden, dass ihr jüngerer Geliebter Stéphane (Pineau) gegen ihren Willen eine Hausdame zur Betreuung in die mondäne Pariser Wohnung beordert. Anne (Mägi), eigens dafür aus Estland angereist, muss nun die Zicken und den Frust der herrischen, lebensmüden alten Dame ertragen, statt sich beim Schaufensterbummel an edlen Boutiquen erfreuen zu können. Dass sich nach kleinen Kämpfen dann doch eine von gegenseitigem Respekt getragene Nähe entwickelt, versteht sich von selbst. Weil die Grande Dame Frida allerdings von der großen französischen Leinwanddame Jeanne Moreau gespielt wird, erhält die konventionell erzählte Geschichte eine ganz eigene Kraft. Frei von Sentimentalität gelingt Moreau die Charakterstudie einer exzentrischen Frau, die sich mit ihrer Einsamkeit und Gebrechlichkeit auseinandersetzen muss und zuletzt ihren Humor und Lebensmut zurückgewinnt. (ascho)

Eine Dame in Paris (Poster)