Ein Prophet

„Muss man sehen“ kulturmovies

„Ein Prophet“ spielt im Knast – doch ein Gefängnisfilm ist Jacques Audiards Drama deshalb noch lange nicht. Zu sehr reicht er über die engen Grenzen des Genres hinaus. Das liegt nicht nur daran, dass Malik (unglaublich wandlungsfähig: Neuentdeckung Tahar Rahim) schon mit dem ersten Freigang beginnt, in ganz Frankreich die Geschäfte der korsischen Mafiagruppe um Cesar Luciano (eiskalt: Niels Arestrup) zu betreuen. Es liegt auch daran, dass seine mustergültige Knastkarriere das Zentrum des Films darstellt. Malik, als Hooligan eingeliefert, lernt lesen, Machstrukturen zu durchschauen und – seine allerwichtigste Fähigkeit – im richtigen Moment zuzuschlagen. Perfiderweise unterfüttert Audiard die Entwicklung Maliks auch noch mit biblischer Symbolik und sorgt dafür, dass man irgendwann jede Moral außen vor lässt und Malik emotional als Helden akzeptiert. Extreme, mit Handkamera gedrehte Gewaltszenen machen den Film zu einem schwer verdaulichen, aber eindrucksvollen Zweieinhalbstünder. (jw)

Ein Prophet (Poster)