Ein Junge namens Titli

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Eigentlich ganz wunderbar, wie dieser Grenzgänger zwischen Sozialdrama und Film Noir die Konventionen des Bollywoodkinos gegen den Strich bürstet und die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen Indiens anprangert: Mit wackeliger Kamera und in blassen Farben taucht Kanu Behls Debüt in eine Männerwelt ein. Gemeinsam mit seinem Vater und den zwei älteren Brüdern bildet Titli ein Familienunternehmen, das sich auf brutale Autodiebstähle spezialisiert hat. Als die Geschäfte nicht so gut laufen, wird der jüngste Sprössling gegen seinen Willen verheiratet und seine schöne Braut Neelu als Lockvogel eingesetzt. Weil aber auch Neelu mit der Zwangsheirat unglücklich ist, sieht Titli seine Chance gekommen, den Slums zu entfliehen: Wenn er ihr bei der Flucht zu ihrem Geliebten hilft, überlässt sie ihm die Mitgift. Doch so eindringlich das realistische Spiel seines Ensembles auch sein mag, bewahren Dahl selbst sehr explizite Gewaltdarstellungen nicht davor, mit dem Film auf der Stelle zu treten. Das deprimierende Setting lässt seinen Figuren keinen Entwicklungsspielraum, und wenn Titli nach einigen überraschenden Wendungen seine Werte hinterfragt, ist das pädagogisch wertvolle Finale nicht wirklich überzeugend, sondern bestenfalls gut gemeint. (cs)

Ein Junge namens Titli (Poster)