Ein Hologramm für den König

„Kann man sehen“ kulturmovies

Dave Eggers ist der Wutbürger der amerikanischen Literatur. In seinem Bestseller „Der Circle“ wetterte er gegen die Allmacht von sozialen Netzwerke und digitalen Totalitarismus, „Ein Hologramm für den König“ reflektiert, wie die globalisierte Wirtschaft den Menschen fertigmacht. Problem: Eggers ist ein Vereinfacher und Schwarz-Weiß-Maler, seine Romane gelten eher als Pamphlete denn als differenzierte Kritik. „Ein Hologramm für den König“ auch – und doch wollte Tom Tykwer es unbedingt verfilmen, mit dem Hollywoodstar Tom Hanks in der Hauptrolle. Hätte er es mal sein lassen. Die Geschichte des alternden IT-Managers Alan Clay (Hanks), dessen letzte berufliche Chance darin liegt, dem saudischen König in der Wüste eine Hologramtelefonie-Technik zu verkaufen, versandet im wahrsten Sinne des Wortes in der Wüste. Denn der König kommt nicht – und keiner weiß, wann und ob überhaupt. Also wartet Clay. Und wartet …

„Ein Hologramm für den König“ übt Kapitalismuskritik zu Füßen des kleinsten Nenners

Tykwer Tragikomödie zeigt, dass er sich seit seinen „Lola rennt“-Jahren als Regisseur eher zurückentwickelt hat. Er verleiht seinem Film keinen Rhythmus und übt in Szenen, die so unmotiviert beginnen, wie sie enden, Kapitalismuskritik zu Füßen des kleinsten Nenners. Wenn man dazu noch die misslungenen Witze, die unglaubwürdige Love Story und Abweichungen von der Vorlage schlucken muss, die den Stoff in Richtung einer banalen Erbauungsschmonzette schieben, dann bleibt wenig auf der Habenseite. Einzig Frank Griebes Bilder der absurd unbevölkerten, aber grotesk überdimensionerten Bauwerke im arabischen Nirgendwo sind ein Gewinn. (vs)

Ein Hologramm für den König (Poster)