Doch das Böse gibt es nicht (There is no Evil)

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wir tauchen tief in das Leben von Mohammad Rasulofs Figuren ein, ehe der Regisseur unmissverständlich deutlich macht, was sein Anliegen ist. „Doch das Böse gibt es nicht“ besteht aus vier thematisch verbundenen, aber alleinstehenden Episoden: Die erste und beste unter ihnen begleitet Heshmat, einen Familienvater. Seine Frau und er kümmern sich hingebungsvoll um seine verwitwete Mutter, sie gehen gemeinsam zur Bank, streiten sich über Alltägliches, aber nicht ohne Zuneigung. Mit ihrer Tochter erledigen sie Einkäufe im Supermarkt, abends färbt Heshmat seiner Frau die Haare für eine anstehende Hochzeit. Um 3 Uhr morgens klingelt der Wecker, und Heshmat fährt zur Arbeit. Wer mit Hannah Arendts These der Banalität des Bösen vertraut ist, erkennt eh bereits anhand des Titels, auf welche Wendung „Doch das Böse gibt es nicht“ nach einem solchen Setup hinauswill: Ein Knopf, ein Schnitt, Falltüren öffnen sich, die Beine der Gehängten zucken, Urin läuft auf den Boden. Rasulof lässt in seinem Berlinale-Gewinner seine Figuren vor dem Hintergrund des iranischen Regimes auftreten und legt sein Augenmerk stattdessen auf die Spuren, die es in ihrem Leben hinterlässt – oder eben nicht. jl

Doch das Böse gibt es nicht (Poster)