Die Tiefseetaucher

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wes Anderson hat wieder zugeschlagen. Der Regisseur von „Die Royal Tenenbaums“ liefert erneut ein schwer fassbares Außenseiter-Drama, das sich zwischen Tragik, Farce und Komödie bewegt. Diesmal steht Bill Murray alias Meeresforscher Steve Zissou im Mittelpunkt des Geschehens. Als Kapitän seines abgewrackten Schiffes trifft er seinen verlorenen Sohn (Wilson) wieder, nimmt eine schwangere Reporterin mit an Bord (Blanchett) und erlebt fast märchenhafte Abenteuer, wie einen modernen Piratenüberfall. Alle ernsten Begebenheiten sind betont belanglos dargestellt, was eine eigentümliche surreale Wirkung hat. Wie auch die ganze Ausstattung des Films eher verwirrt als versöhnt: Die Mischung aus neuzeitlichen und 50er-Jahre-Elementen macht die zeitliche Einordnung unmöglich. Der Humor erwächst weniger aus direktem Dialogwitz als vielmehr aus der Komposition aller schrägen Elemente. Einmal fährt die Kamera aus einer Kammer unter Deck des Schiffes immer weiter zurück, bis man sieht, dass der stählerne Schiffskörper längsseits durchgeschnitten ist – man schaut gleichzeitig in alle Räume des Schiffes mit allen Akteuren, die wie in einem Puppenhaus umherwuseln. Doch wo „Die Royal Tenenbaums“ eine harmonische Balance zwischen den Genres und schrägen Stilmitteln aufwiesen, ergibt das aktuelle Werk von Anderson kein einheitliches Bild. Es ist einmalig – und das ist kein Kompliment. (kr)

Die Tiefseetaucher (Poster)