Die Odyssee

„Muss man sehen“ kulturmovies

Die Odyssee | Kritik

Kyona und der kleinere Adriel leben in einem kleinen, idyllischen Dorf, doch der Schein trügt: Der Friede geht zu Ende. Eines Tages wird ihr Dorf überfallen und angezündet, und die Eltern müssen mit ihren Kindern fliehen. Doch ohne Dokumente kommen sie nicht weit. Versteckt unter Decken schaffen Kyona und Adriel bis zum Fluss, der die Landesgrenze darstellt. Dort sollen sie auf ihre Eltern warten, doch es kommt ganz anders im Film Die Odyssee

Zehn Jahre lang hat die Regisseurin und Animationskünstlerin Florence Miailhe an diesem Film gearbeitet. Ihre Maltechnik – Öl auf Glas – ist einmalig im Filmgenre. Direkt unter der Kamera malt sie Schicht um Schicht und nimmt jeden Schritt auf. Oft ersetzen Pastellkreide oder Sand die Ölfarben, immer aber ist das Ergebnis eine ganz besondere Dynamik, die einerseits das Erlebnis „Film“ im Auge ganz deutlich zum Ausdruck bringen, andererseits wiederum einen märchenhaften Eindruck erweckt. Dazu passen Motive wie das der Hexe im tiefen Wald, das der Adoptionsfamilie, die nur Böses im Schilde führt, oder der fahrende Zirkus, der zur Zufluchtsstätte für die Geschwister wird.

Florence Miailhe hat mit Die Odyssee einen bildmächtigen Film geschaffen, der Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen das gerade wieder so leidvoll präsente Thema der Flucht und Entwurzelung näherbringt. Geschichten von Liebe, Vertrauen und Verrat werden vor dem Hintergrund von Ausgeliefertsein und Abhängigkeiten erzählt, verständlich für Kinder und doch komplex genug für Erwachsene. Die Odyssee ist nicht nur ein künstlerisch einmaliger Film, sondern auch bedeutsam als Statement: Im Mittelpunkt stehen ausschließlich Minderheiten – und nicht alle sind immer nur gut. Auf sie konzentriert sich der Film, nur hier können Kyona und Adriel Geborgenheit und Halt finden und wieder verlieren. jw

Die Odyssee | Fotos

Die Odyssee | Besetzung

Die Odyssee (Poster)

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