Die letzte Festung

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Robert Redford und Paul Newman waren ein Leinwand-Team der klassischen Art. Während Newman immer noch der verschmitzte Underdog ist, steht Redford für den weitgehend ironiefreien, aufrechten Kämpfer. In „Brubaker“ (1980) prangerte er als Gefängnisdirektor die Zustände im Strafvollzug an, nun ist er selber Häftling. Seine Anliegen sind dieselben: Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch aufdecken. Im Militärgefängnis legt sich der ehrenhafte, aber rechtskräftig verurteilte General Irwin (altersweise: Redford) mit dem despotischen Direkto (großer Schauspieler: Gandolfini) an, der sich sein eigenes Reich – die letzte Festung – eingerichtet hat. Das weckt Erinnerungen an „Die Verurteilten“ (1994), in dem Tim Robbins als Gefangener aufbegehrte. Doch während es dort um die Freiheit des Geistes und das Recht auf Respekt für jedes Individuum ging, wummert hier das patriotische Herz im Nationalhymnen-Rhythmus. Die Feinde freiheitlicher Ideale sitzen in den eigenen Reihen und die inhaftierten Soldaten holen sich Stolz und Ehre zurück, indem sie das Gefängnis übernehmen. Es wird salutiert, US-Flaggen werden gehisst, Helden geboren und Märtyrer beweint. Das Vaterland als Symbol für Gerechtigkeit. Eine Aussage von vorgestern, eingehüllt in den staubigen Mantel militärischer Tugenden. Wie gemacht für das angeknackste Selbstbewusstsein der Amerikaner, die es zur Zeit nach Helden dürstet. Newman allerdings würde nur süffisant die Augenbrauen heben. Und Redford die Ironie erklären. (vs)

Die letzte Festung (Poster)