Die Haut, in der ich wohne

„Muss man sehen“ kulturmovies

Pedro Almodóvar, der Meister des Melodrams, schafft es auch in seiner Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Thierry Jonquet, einer völlig unmelodramatischen Geschichte, melodramatische Elemente zu verleihen: Schönheitschirurg Ledgard (Banderas), dessen Frau bei einem Autounfall verbrannte, forscht an einer künstlichen, widerstandsfähigen Haut. Er transplantiert sie einer jungen Frau (Anaya), die er in seinem Haus gefangen hält. In einer Rückblende erschließen sich die Hintergründe, die von Obsessionen, Geschlechteridentitäten und sexuellen Abgründen handeln und die vornehmlich in Almodóvar-typischen, bunten Theaterkulissen spielen. Wild brausen die Geigen, wenn ein Vergewaltiger in Tigerkostüm auftaucht oder sich das Schicksal von Ledgards Versuchskaninchen entblättert. Das ist Kitsch, Schönheitswahnkritik, Camp, Lovestory, Frankenstein-Variation und Rachefantasie in einem und passt doch alles zusammen. Denn Almodóvars Kunst besteht darin, aus jeder seiner Erzählungen die existenzielle Tragik seiner Figuren herauszuwringen, selbst in einem morbiden Psychothriller. Eine Meisterleistung. (vs)

Die Haut, in der ich wohne (Poster)