Der wilde Schlag meines Herzens

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Unter Toms Schädeldecke brennt es. Das Blut schnellt durch seinen Körper, und seine Finger trommeln unkontrolliert, als warteten sie auf eine Entscheidung. Zerrissen zwischen dem Alltag als Schläger im Immobilienmilieu und dem Wunsch, Pianist zu werden, treibt Tom wie auf einer Dauerlinie Koks durch Paris. Ein schmerzvoller Selbstfindungsprozess zwischen Schlagring und Klaviertastatur – zwischen seinem debilen Papa, für den er Sohn und Schuldeneintreiber zugleich sein muss, und den Erinnerungen an seine verstorbene Mutter, eine Konzertpianistin. Der Abschied von den Eltern und die Geburt der eigenen Identität stehen im Mittelpunkt dieses energiegeladenen Remakes von James Tobacks Thriller „Finger – Zärtlich und brutal” von 1978 mit Harvey Keitel. Regisseur Audiard konzentriert sich vollkommen auf seine Hauptfigur, die Romain Duris („L’Auberge espagnole”) beeindruckend verkörpert; in der Intensität seines Spiels und seinem gefährlich anziehenden Äußeren erinnert er an den jungen Kinski. Wie ein pochendes Herz untermalt der Soundtrack dieses Gegenwartsdrama, das sich an die Ästhetik des Film Noir anlehnt. Zwischen Dunkelheit und Licht gibt es für diesen Helden keine Grauzone, sondern nur Kampf. Am Ende findet Tom einen überraschenden Weg aus dem Dilemma – doch ein blutiger Schatten bleibt für immer. (ik)

Der wilde Schlag meines Herzens (Poster)