Der Unschuldige

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wenn alles ins Wanken gerät: Eigentlich führt die in eine christliche Freikirche eingebundene Ruth (Judith Hofmann) mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern ein geordnetes Leben. Doch dann wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Auf einmal ist sie sich sicher, ihren Ex-Partner gesehen zu haben, der einst für einen Raubmord verurteilt wurde, die Tat allerdings nie gestanden hat. Will er nun seinen alten Platz einnehmen? Und wenn ja, wie soll Ruth reagieren? Sein geisterhaftes Auftauchen lässt die in einer Forschungseinrichtung arbeitende Frau in eine handfeste Sinnkrise schlittern. Titel und Prämisse von Simon Jaquemets zweitem Spielfilm legen ein Krimidrama nahe, in dem es auch um die Klärung der Schuldfrage geht. Tatsächlich präsentiert der aus der Schweiz stammende Regisseur und Drehbuchautor nach seinem furiosen Debütwerk „Chrieg“ (2014) aber einen mysteriösen, sperrigen, mit Lücken und Andeutungen garnierten Seelentrip, der die Grenzen zwischen Realität und Imagination zunehmend verwischt. Thematisch mutet sich Jaquemet ein bisschen viel zu – sein Porträt der ambivalenten, in ihren Grundfesten erschütterten Hauptfigur hat dennoch etwas ungemein Faszinierendes. cd

Der Unschuldige (Poster)