Der Spion

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Dass Benedict Cumberbatch historische Rollen übernimmt, ist nicht neu: Wir konnten den britischen Schauspieler schon als Alan Turing („The Imitation Game“) oder als Thomas Edison („Edison – Ein Leben voller Licht“) erleben. Meistens spielt er diese Figuren allerdings auf eine ähnliche Art wie Sherlock Holmes, der ihn immerhin berühmt gemacht hat: als hochbegabte, aber sozial verkümmerte Genies. Es macht daher Spaß, ihn in „Der Spion“ als den komplett durchschnittlichen Ehemann und Vater Grenville Wynne zu erleben, der gegen seinen Willen in den Kalten Krieg hineingezogen wird.

Als unauffälliger Geschäftsmann getarnt reist er im Auftrag von MI6 und CIA in die Sowjetunion, um Informationen von dem überläufigen Offizier Oleg Penkowski (Merab Ninidze) entgegenzunehmen. Bald verbindet die beiden Männer eine Freundschaft, doch das KGB ist ihnen auf den Fersen … Penkowskis Nachrichten, sagt man heute, haben 1962 verhindert, dass die Kubakrise eskaliert, und damit vielleicht die Welt gerettet. Er wird von Ninidze, neuerdings bekannt als „Dr. Ballouz“ aus der gleichnamigen Arztserie, als ein Mann mit unverrückbaren Prinzipien dargestellt. Aber auch Wynne ist ein Held – wenn auch, zumindest gespielt von Cumberbatch, ein oft überforderter und ängstlicher. Schön, dass es die auch noch gibt. mj

Der Spion (Poster)