Der Mann von der Botschaft

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Gegen eine kleine Bezahlung würden sie beide Augen zudrücken, deuten die Polizisten dem etwa 50-jährigen Botschaftsangehörigen Herbert Neumann an. Dabei sitzt die 12-jährige Straßenräuberin Sashka nur bei Neumann auf dem Sofa und spielt mit der Videokonsole. Davon, dass die Freundschaft eines jungen Mädchens mit einem älteren Mann permanentem Misstrauen ausgesetzt ist, erzählt der neue Film von Dito Tsintsadze („Lost Killers“). Und weil er in Tiflis, der Geburtstadt Tsintsadzes spielt, umkreist das Werk nicht nur dezent das Lolita-Thema, sondern handelt genauso von Einsamkeit in der Fremde. Dafür findet nach schwachem Beginn die Videokamera von Benedict Neuenfels immer eindrücklichere, in die dunkle Nacht kippende Bilder. Burghart Klaußner trägt gemeinsam mit der jungen Debütantin Lika Martinova dieses melancholische Drama souverän, das allein an seiner Handlungsarmut krankt. Anders als in vergleichbaren Filmen wie „The Kid“ oder „Kolya“ weckt Sashka nicht Neumanns Lebensgeister, sie teilt nur seine Einsamkeit. Spannend ist das kaum. (rk)

Der Mann von der Botschaft (Poster)