Der Fremde am See

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Mag auch tags zuvor eine Leiche aus dem Wasser gezogen worden sein – ob ertrunken oder ermordet, ist noch unklar: Das Leben am schwulen FKK-Strand geht unbekümmert weiter, als sei nichts geschehen. Man räkelt sich in der Sonne, checkt die Neuankömmlinge ab und verschwindet mit dem einen oder anderen in den Büschen. Alain Guiraudie zeigt das mit fast dokumentarischer und doch beiläufiger Genauigkeit, auch die expliziten Sexszenen. Lange bleibt im Unklaren, wohin dieser Film eigentlich treibt: Bleibt es bei einer Milieustudie mit interessanten Nebenfiguren wie dem korpulenten Sonderling Henri (d’Assumçao), oder entwickelt sich alles zum Krimi oder doch nur zu einer von Obsessionen angetriebenen Lovestory zwischen dem jungen Franck (De Ladonchamps) und dem selbstverliebten Tom-Selleck-Lookalike Michel (Paou)? Die blutige Wendung zum Schluss irritiert dann allerdings schon ein bisschen. Zuvor nämlich bildete die laszive, nie klar zu fassende Atmosphäre eine perfekte Einheit mit dem in immer neuen Varianten fotografierten Landschaftsidyll. (ascho)

Der Fremde am See (Poster)