Dear Future Children

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Dear Future Children | Kritik

Die größte Stärke und zugleich größte Schwäche von „Dear future Children“ lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Dieser Film dreht sich quasi von selbst. Damit ist nicht gemeint, dass Regisseur Franz Böhm und sein Team nicht erkennbar viel Aufwand betrieben hätten. Die Thematik der Dokumentation ist jedoch ohnehin unmöglich zu ignorieren. Der Film folgt drei jungen Aktivistinnen, die sich mit den größten Herausforderungen unserer Zeit herumschlagen: In Santiago de Chile demonstriert Rayen gegen soziale Ungleichheit, in Uganda hat Hilda den lokalen Ableger von Fridays for Future gegründet, und in Hongkong kämpft „Pepper“ – echter Name geheim – gegen die Diktatur der Volksrepublik China.

In eigenen Worten erzählen sie uns, was sie ursprünglich inspiriert hat und sie trotz allem nicht aufgeben lässt. Regisseur Böhm ist selbst erst Anfang 20 und findet eine starke Bildsprache für seine Porträts: Die Aufnahmen von prügelnden Polizisten, brennenden Barrikaden oder müllverstopften Flüssen sind fesselnder und beklemmender als alle filmischen Dystopien der letzten Jahre; diese Wirkung wird durch dramatische Musik und suggestive Schnitte noch verstärkt. Allerdings macht Böhm keinen Versuch, die drei jungen Frauen, die sich niemals begegnen, miteinander zu verbinden. Die Abwesenheit eines zentralen Narrativs nimmt seiner Doku die Chance, uns irgendetwas Neues zu sagen. Denn die Fronten waren noch nie so klar – „Dear future Children“ kann sie nicht mehr schärfer zeichnen. mj

Dear Future Children | Fotos

Dear Future Children | Besetzung

Dear Future Children (Poster)