David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Charles-Dickens-Verfilmung“ ist eine eigene Kategorie auf Wikipedia, mit sieben Subkategorien und insgesamt 33 Seiten. „Filme basierend auf David Copperfield“ zählt mit gerade mal neun Seiten zu den weniger verfilmten Werken, und dennoch – es gibt neun Filme. Diesmal hat sich der britische Satireprofi Armando Iannucci („The Thick of it, „The Death of Stalin“) dem Stoff angenommen. Und als ob er den ganzen Ballast abwerfen wollte, hat er dem grauen Milieukolorit der meisten Dickens-Verfilmungen eine rasant bunte Dramedy entgegengesetzt.

Die vielen Stationen im Leben des David Copperfield (Dev Patel) werden wunderbar fantasievoll aneinandergereiht, die Besetzung ist hochkarätig bis in die Nebenrollen (Tilda Swinton, Benedict Wong, Rosalind Eleazar, Hugh Laurie) und geradezu vorbildlich divers, ohne, dass das bemüht wirkt. Doch was dem Film trotz seiner Fantasie, seinem Herz und Witz fehlt, ist ein Grund, die altbekannte Geschichte erneut zu erzählen. Der sonst so bissige Iannucci übernimmt ungesehen Dickens’ viktorianische Moral – dem ansonsten innovativen Film fehlt ein Drehbuch, das ähnlich viel wagt. jl

David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück (Poster)