Das Haus der schlafenden Schönen

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wenn lüsterne Greise neben Mädchen liegen, kann das zu unappetitlichen Sexszenen führen. Oder zu Reflexionen über Vergänglichkeit, Einsamkeit und Tod. Wie in diesem Haus, in dem reiche Männer dafür zahlen, die Nacht neben einer schlafenden Schönen zu verbringen. Vadim Glowna schrieb das Drehbuch nach einem japanischen Roman, führte Regie und spielt auch selbst den Alten. Wie er gebrochen durch den Film schlurft, mit welken Fingern wehmütig über junge Haut streichelt – das ist grandios gespielt. Nur traut der Regisseur Glowna seiner Schauspielerei nicht, legt über jede Szene einen inneren Monolog; kaum kann eine Figur eine andere anblicken, ohne dass eine Stimme aus dem Off erzählt, was dieser Blick bedeutet. So zieht sich das Geschehen dahin, immer neue Mädchen liegen neben dem Alten, immer noch eine Erinnerung an ersten Sex und vergangene Tage tröpfelt aus dem Off. „Ein alter Mann ist immer auch ein Nachbar des Todes“, heißt es einmal. Diese filmische Meditation dagegen ist immer auch ein Nachbar der Redundanz. Erst ganz am Schluss, wenn sich plötzlich ein Mordkomplott entfaltet (oder geht es doch um Sterbehilfe?) schreckt der Zuschauer aus seinem Dämmerschlaf auf. (arm)