Das Glaszimmer

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Das Glaszimmer | Kritik

Der Film Das Glaszimmer erzählt die Coming-of-Age-Geschichte des elfjährigen Felix (Xari Wimbauer) in den letzten Tage des Nationalsozialismus. Felix flieht mit seiner Mutter Anna (Lisa Wagner) aus dem zerbombten München in das niederbayrische Dorf, in dem Anna großgeworden ist. Die beiden kommen in eine Dorfgemeinschaft, die einerseits in ihrem solidarischen Zusammenhalt den bestmöglichen Schutz bietet, andererseits im Nachbarn Feik (Philipp Hochmair) einen strammen Nazi und damit eine reale Gefahr darstellt. Während Anna eine neutrale Distanz zu wahren versteht, wird Felix – zunächst gemobbter Außenseiter – immer mehr in die von Feiks Sohn Karri (Luis Vorbach) angeführte Jugendbande aufgenommen.

Regisseur Christian Lerch ist die sensible Schilderung einer Dorfgemeinschaft aus Kindersicht gelungen. Viele nationalsozialistische Agitationssprüche prägen die kurzen Dialoge der Erwachsenen, die Kinder versuchen sie auf ihr Niveau zu übertragen und in ihre Lebenswelt einzubauen. Sie spielen „Westfront“ und „Häuserkampf“, streunen durch Wälder und Felder – und machen plötzlich eine Entdeckung: In einem der leeren Häuser versteckt sich ein Deserteur. Schnell informieren sie die Erwachsenen, doch in der Ferne tauchen schon amerikanische Truppen auf … Das Glaszimmer wird geprägt von einer Kamera, die auf Augenhöhe mit den Kindern ist, sie verfolgt die Kinder regelrecht, umtanzt sie, sie streift mit ihnen beim Spiel durch Wald und Feld, steigt mit ihnen auf Dachböden und in Keller. Man kann sie nicht anders nennen als extrem subjektiv. Sie ist wie Regisseur Christian auf der Seite der Teenager, wenn diese ihren Weg aus der nationalsozialistischen Ideologie suchen und finden. jw

Das Glaszimmer | Fotos

Das Glaszimmer | Besetzung

Das Glaszimmer (Poster)

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