Caché

„Muss man sehen“ kulturmovies

Lange bleibt die Kamera auf das Haus gerichtet. Autos starten, Menschen kreuzen die Straße, Vögel zwitschern, der Vorspann läuft. Plötzliche hört man Stimmen aus dem Off, und der schnelle Vorlauf der Bilder zerstört die Illusionsebene. Dann startet der Film praktisch neu – wir sind nun im Haus. Georges (Daniel Auteuil) und seine Frau Anne (Juliette Binoche) sitzen im Wohnzimmer und rätseln, wer ihr Haus von außen gefilmt und die Videokassette vor ihre Tür gelegt hat. Weitere Kassetten folgen, und das Ehepaar entfremdet sich zunehmend. Georges hütet ein Geheimnis, das sich durch die Videos und Kinderzeichungen, die Schreckliches erahnen lassen, nur langsam lüftet. Michael Hanekes Film setzt sich auf einer persönlichen Ebene mit dem kolonialen Erbe Frankreichs auseinander und zieht eine negative Bilanz über das Bildungsbürgertum unserer Tage. Vom unbekannten Filmer herausgefordert wird, sich seiner und damit auch der französischen Vergangenheit zu stellen, versagt Geroges. Sein Versteckspiel bei gleichzeitiger Suche nach dem Unbekannten gerät außer Kontrolle. Haneke gewinnt daraus Hochspannung, obwohl er mit äußerst sparsamen Schnittfolgen und langen Dialogsequenzen arbeitet. (jw)

Caché (Poster)