Bridge of Spies – Der Unterhändler

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Regiegenie Steven Spielberg kann alles, nur eines nicht: maßhalten. Was als schlanker, hoch spannender Spionage- und Gerichtsthriller beginnt, versackt in Herumchargieren, Rührseligkeit und dem Versuch, nebenher eben noch die Geschichte des Mauerbaus zu erzählen. Der amerikanische Anwalt James Donovan (Tom Hanks) erlebt in Ostberlin die deutsche Teilung aus nächster Nähe. Er soll als Unterhändler die Freilassung eines über der UdSSR abgeschossenen US-Piloten erreichen. Das Faustpfand der Amerikaner: der aufgeflogene Sowjetspion Rudolf Abel (Mark Rylance), den Donovan als sein Verteidiger vor der Todesstrafe gerettet hatte. Hanks spielt hier die Rolle, die er am besten beherrscht: den Jedermann, der sich seinen moralischen Kompass nicht nehmen lässt. Er ist gewohnt gut, die Sensation des Films ist aber Rylance. Der gebürtige Brite, als Shakespeare-Darsteller gefeiert, verleiht seiner Rolle des KGB-Mannes Vielschichtigkeit und einen köstlichen trockenen Humor. Sobald aber der Film nach Berlin springt (und Abel im US-Knast zurücklässt), überlagert spielbergtypisches Brimborium alles andere. Daran können auch die smarten Dialoge des Drehbuchs wenig retten, an denen die Coen-Brüder beteiligt waren. (rr)

Bridge of Spies - Der Unterhändler (Poster)