Borga

„Muss man sehen“ kulturmovies

Borga | Kritik

Allein die Existenz des Wortes „Borga“ sagt viel aus: In Ghana werden damit Männer bezeichnet, die es ins Ausland geschafft haben und dort ein Luxusleben führen, von dem die Daheimgebliebenen nur träumen können. Auch Kojo (Eugene Boateng) träumt davon, den Slums von Accra zu entkommen. Er lässt seine Familie zurück und tritt die vierjährige Reise nach Deutschland an, wo er prompt feststellen muss, dass er einer Illusion verfallen ist: Obwohl er in Lina (Christiane Paul) die Liebe findet, bleibt das Geld zunächst aus.

Erst als Kojo sich als Drogenkurier verdingt, kann er sich endlich schicke Anzüge und teure Hotels leisten. Doch zurück in Ghana, erwartet ihn sein Bruder Kofi (Jude Arnold Kurankyi) voller Bitterkeit und Vorwürfe … Stellenweise scheint es, als wolle „Borga“ zwei Filme zugleich sein: Einerseits ein einfühlsames Drama, das die Geschichte eines Migranten einmal ausschließlich aus dessen Perspektive erzählt. Gerade der Anfang des Films bietet eine Sichtweise, die man im deutschen Kino sonst selten zu sehen bekommt: Er zeigt die Kindheit Kojos auf der gigantischen Müllhalde von Accra, wo ganze Familien darauf angewiesen sind, ihr Geld mit der Suche nach Altmetall zu verdienen. Wenn wir dann an Kojos Seite im kalten, dunklen Mannheim landen, wirkt die Stadt im ersten Moment so fremd, wie sie auch dem Protagonisten vorkommen muss.

Zugleich aber will „Borga“ unterhalten, trumpft mit poppigem Soundtrack und Musikvideo-Optik auf. Auch Kojos kriminelle Karriere, die zeitweise Züge eines Gangsterepos a la „Scarface“ bekommt, beißt sich mit den sozialkritischen Untertönen. Zum Glück lässt Regisseur York-Fabian Raabe sich davon nicht zu weit mitreißen, Schusswechsel und Drogeneskapaden bleiben aus. Gut so, denn „Borga“ hat eine Menge zu sagen: über globale Ungleichheit, über die Macht der Bilder, über Familie. Indem der Film Kojo den Raum lässt, nicht nur ein passives Opfer des Kapitalismus, sondern ein selbstbestimmter, auch fehlerhafter Mensch zu sein, gibt er einem oft marginalisierten Teil der Gesellschaft ein Gesicht. mj

Borga | Fotos

Borga | Besetzung

Borga (Poster)

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