Besessen

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Zwei Liebesgeschichten setzt uns Regisseur LaBute vor. Das ist besonders spannend, weil sich beide Romanzen in unterschiedlichen Epochen abspielen. Die komplexe Struktur des Romans von A. S. Byatt übersetzt der Film, indem er spielerisch zwischen den Zeiten hin und her springt. Maud (Paltrow) und Roland (Eckhard) studieren Dichter des 19. Jahrhunderts, sie Christabel LaMotte (Jennifer Ehle), er Henry Ash (Northam). Bei ihren Recherchen stoßen sie auf Briefe, die beweisen, dass die beiden eine heftige Liebelei miteinander hatten. Was die Literaturwissenschaftler zum Anlass nehmen, ihrerseits eine Affäre zu beginnen. Die Leidenschaft von damals überträgt sich auf das Liebespaar von heute. Die Parallelen werden so stark, dass die Bilder überblenden und die Geschichten nicht mehr voneinander zu trennen sind. Trennen kann man hingegen die Leistungen von Paltrow/Eckhard und Ehle/Northam; letztere bringen die Leidenschaft ihrer Figuren viel sinnlicher auf die Leinwand. Die gemeinsame Heimat aller Figuren ist die Welt der schönen Worte: Poesie rezitieren sie reichlich, meist an geschichtsträchtigen Schauplätzen und untermalt von herzerweichender Musik. Der Film ist wie eine gekonnte fotorealistische Malerei: ein wenig zu glatt, um davon besessen zu werden. (mt)

Besessen (Poster)