Ben X

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Erst musste jemand sterben“, sagt Bens Mutter (Marijke Pinoy) in einem Interview und ringt um Fassung. Das lässt nichts Gutes erahnen. Zumal ihr Sohn Ben (Timmermans) große Schwierigkeiten hat, sich im Leben zurechtzufinden. In der Schule wird er schikaniert und als Marsmännchen ausgelacht, die Ärzte tappen im Dunkeln (Asperger-Syndrom? Autismus?). Einzig im Cybergame „Archlord“ genießt Ben so etwas wie Respekt – da ist er auf Level 80 … Neu sind die Themen Happy Slapping in der Schule und Cyberflucht nicht, ebenso wenig wie die übertriebene optische Verquickung von realer und virtueller Welt. Als hätten die „Matrix“-Wachowskis und die Autorenfilmern Jean-Pierre und Luc Dardennes („L’Enfant – Das Kind“) gemeinsame Sache gemacht. Und trotzdem: Greg Timmermans spielt das linkische Schulhofopfer mit so nervöser Intensität, dass man nie weiß, ob man eine arme Sau oder einen potentiellen Amokläufer vor sich hat. Dazu hat Regisseur Balthazar eine klug konstruierte Perspektive gewählt: Mal interviewt er Eltern und Lehrer, als wäre er Michael Moore, dann wieder hält er schonungslos drauf, wenn Ben herumgeschubst wird. Dazu hört man ständig Bens vorwurfsvolle Stimme. Je hilfloser er wirkt, umso bissiger ist sein Kommentar. Erst als Ben gemeinsam mit seiner Archlord-Gefährtin Scarlite (Laura Verlinden) beginnt, seinen Selbstmord vorzubereiten, verstummen seine Gedanken, um uns mit einem wuchtigen finalen Dreh zu überraschen. (fs)

Ben X (Poster)