Belladonna Of Sadness – Belladonna der Trauer (Die Tragödie der Belladonna)

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Eine halb märchenhafte, halb realistische Geschichte vom Vorabend der französischen Revolution: Ein junges Bauernpaar bittet den Baron, heiraten zu dürfen, worauf der Herrscher und seine Diener die Braut rituell vergewaltigen. Ihr Mann möchte das Geschehen vergessen, aber die Frau gleitet in den Wahnsinn ab, entwickelt Visionen, in denen sie einen Pakt mit einem phallusförmigen Teufel eingeht, um sich an ihren Peinigern zu rächen … Eiichi Yamamotos 1973 entstandener Anime sprengt jede Generezuordnung: Die Bilder zitieren Pop Art ebenso wie ornamentverliebte Jugendstilgemälde und die schwitzigen Männerfantasie-Comics eines Milo Manera, immer eher dem westlichen als dem japanischen Zeichenerbe verhaftet. Dazu kommen ein eher literarisches als filmisches Erzählen, die Bezugnahme auf europäische Mythologie und Geschichte, die explizite Darstellung von Nacktheit, Gewalt und Sexualität sowie die nicht unproblematische Charakterisierung von Sex als zerstörerischer Kraft – all das sorgte dafür, dass der Film als obskure Sex-and-Violence-Kuriosität damals viel Ratlosigkeit hinterließ. Die Wiederveröffentlichung des vorbildlich restaurierten „Belladonna of Sadness“ ermöglicht einen neuen Blick auf ein verschollen geglaubtes Meisterwerk – wobei, ratlos dürfte dieser Blick auch diesmal sein. fis

Belladonna Of Sadness (Poster)