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„Muss man sehen“ kulturmovies

Mike Mills erzählt zwei Geschichten: Die zarte Liebe zwischen Oliver (Ewan McGregor) und der Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent) und – in Rückblenden – Olivers Beziehung zu seinem Vater (Christopher Plummer), der sich mit 75 als schwul outet, einen jungen Liebhaber findet und an Krebs stirbt. Die Vater-Sohn-Geschichte ist Mills eigene. Auch deswegen gerät sein fragmentarisch erzählter Film nie eitel und selbstgefällig, sondern ist eine in naturalistisches Licht getauchte, schrullige und sehr menschliche Erzählung aus dem Zentrum des Herzens. Dass McGregor und Laurent, deren Chemie beinahe unheimlich ist, ihre Figuren dabei mit Understatement angehen, egal, ob sie auf nächtliche Sprayertour gehen, Rollschuh fahren oder Widerstände aufbrechen, ergänzt sich gut mit der visuellen Ebene, die an die Filme von Spike Jonze oder Michel Gondry erinnert: Mills verbildlicht Olivers Gedanken mit Fotos und Zeichnungen oder lässt ihn Unterhaltungen mit seinem Terrier führen, dessen Antworten in Untertiteln eingeblendet werden. Der schönste Liebesfilm seit Jahren. (vs)

Prädikat besonders wertvoll