Becks letzter Sommer

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Die Romanvorlage hätte viel hergegeben: Benedict Wells erzählt die Geschichte des 37-jährigen Robert Brack, der einst auf dem Sprung zum gefeierten Rockstar war, dann aber als frustrierter Musiklehrer endet. Als Brack eines Tages das Talent seines Schülers Rauli erkennt, sieht er die Chance, als Entdecker und Manager des 20 Jahre jüngeren Litauers doch noch ein wenig Glamour in sein Leben bringen zu können. Während Wells in seinem Buch ein tiefenscharfes Psychogramm der Hauptfigur zeichnet und das rasante Tempo immer wieder für intelligente Reflexionen über die Lebenssinnsuche und verpasste Chancen drosselt, beschränkt sich Regisseur Frieder Wittich bei seiner Adaption auf Oberflächlichkeiten und überzeichnet etwa für ein paar plakative Gags die fiesen Plattenfirmenmenschen bis zum groben Klischee. Wie schon in „13 Semester“ verheizt er dabei grandiose Schauspieler: Christian Ulmen lässt endlich mal wieder erahnen, dass er auch ein ernsthafter Charakterdarsteller sein kann, und der Argentinier Nahuel Pérez Biscayart als Rauli ist eine Entdeckung. Vor allem in der zweiten Hälfte des Films, in der sich nur noch knallige Roadmovieeffekte anhäufen, gibt Wittich ihnen jedoch keine Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Da ist es fast schon egal, dass er auch den Ausgang des Romans ändert, um seinem Film ein kitschig-pädagogisches Ende zu verpassen. (cs)