Beckenrand Sheriff

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Seit Ewigkeiten wacht der verschrobene Karl (Milan Peschel) über das Freibad in Grubberg. Dabei besteht er streng darauf, keinesfalls als Bade, sondern als Schwimmmeister bezeichnet zu werden. Sein drakonisches Regime sorgt nicht gerade für großen Andrang an der Kasse, daher ist Karl als einziger überrascht, als die Bürgermeisterin sein Bad schließen will. Sein Plan: Unterschriften gegen den Abriss sammeln. Sorgen hat auch der aus Nigeria geflohene Sali (Dimitri Abold). Er will mithilfe von Schleppern weiter nach Kanada, kann aber immer noch nicht schwimmen. Also heuert er bei Karl als Azubi an …

„Beckenrand Sheriff“ will zwei Filme auf einmal sein: Einmal eine skurrile Farce über einen liebenswerten Eigenbrötler, der mit der Dorfgemeinschaft aneinandergerät. Dafür darf Peschel mit übertriebenen Glubschaugen über die Liegewiese stolzieren. Auch seine holprige Romanze mit Wasserballtrainerin Frau Wilhelm (Johanna Wokalek) passt da ins Bild. Zugleich will Regisseur Marcus H. Rosenmüller aber eine ernste Geschichte über Asyl, Traumata und Vorurteile erzählen. Das geht zumeist nach hinten los: Wenn Sali im Schwimmbecken Flashbacks zur Mittelmeerüberquerung hat, bei der er fast ertrunken wäre, fällt es schwer, in der nächsten Minute über einen misslungenen Kopfsprung zu schmunzeln. Und am Ende geht natürlich alles gut aus – weil Sali zufällig ein Wasserball-Naturtalent ist. Sonst hätte man ihn abgeschoben. Hätte Rosenmüller den Mut gehabt, aus dem Stoff eine tiefschwarze Satire zu machen, hätte „Beckenrand Sheriff“ gelingen können. So bleibt der Film schlaff wie eine Poolnudel. mj