Bal – Honig

„Muss man sehen“ kulturmovies

Irgendwo im Nordwesten der Türkei in einer waldreichen Landschaft lebt Yusuf mit seiner Familie. Ärmlich, fast archaisch geht es hier zu. Der Vater züchtet Bienen, der Weg zur Schule ist matschig, die Frühstücksmilch kommt von der Kuh. Der türkische Regisseur Kaplanoğlu ist in seiner rückwärts erzählten Trilogie nach „Yumurta“ (Ei) und „Süt“ (Milch) nun in der Kindheit seines Protagonisten Yusuf angekommen. Auch „Bal“, Gewinner des Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale, ist wortkarg und handlungsarm – und doch ein cineastisches Ergebnis. Indem der Film uns die Welt aus dem Blickwinkel des siebenjährigen Yusuf (Bora Altas) zeigt, uns an seiner Faszination für die Natur und seiner wachsenden Begeisterung für Sprache und Literatur teilhaben lässt, öffnet er uns die Augen für die Geheimnisse und kleinen Dramen der Kindheit. Das Knacken der Äste im Wald, das Summen der Bienen, der Nebel über den regennassen Wiesen: Kaplanoğlu macht daraus reine Poesie und fängt die Schönheit der Natur in vollendet komponierten Stillleben ein, ohne sie zu verklären. Ein großartiger Film. (ascho)

Bal - Honig (Poster)