Bad Tales – Es war einmal ein Traum

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Bad Tales - Es war einmal ein Traum | Kritik

Die Hölle ist die Vorstadt – auf dieser These haben so unterschiedliche Filmemacher wie Ulrich Seidl für Österreich oder Todd Solondz für die USA ihre Karrieren begründet. Das italienische Zwillings-Regieteam Fabio und Damiano D‘Innocenzo, Berlinale-Gewinner 2020 für das beste Drehbuch, reiht sich mit dem Film Bad Tales – Es war einmal ein Traum ein und siedelt seine Menagerie unglückseliger Figuren in einem heißen italienischen Sommer, mutmaßlich in den 80ern oder 90ern, an. Dabei enthüllt sich eine Welt von Missgunst, Selbsthass und Geilheit, in der die Erwachsenen, miserable Vorbilder allesamt, ihre Kinder entweder übermäßig dressieren oder vollkommen vernachlässigen. Der Kontrast zwischen den sonnendurchfluteten Bildern und den deprimierenden Vorgängen – freudlose Essen mit Freunden, schlechter oder verhinderter Sex und später schockierende Todesfälle – sorgt für eine gewisse Spannung, und die D’Innocenzos sichern sich mit diversen effektvoll in Szene gesetzten Asozialitäten, denen sich ihre Figuren hingeben, auch unsere – wenn auch leicht angeekelte – Aufmerksamkeit.

Aber ein Film, der ohne jedes Mitgefühl nur unsympathische Figuren – die Kinder größtenteils eingeschlossen – vorführt, kann kaum mit Empathie seitens der Zuschauer rechnen. Und irgendwann wird auch die offene impressionistische Erzählweise des Films – die deutlich den Hintergrund der D’Innocenzos als Fotografen und Dichter zeigt – zäher und zäher. Solchermaßen abgestumpft, nimmt man auch den dramatischen Höhepunkt von Bad Tales – Es war einmal ein Traum nicht mehr stärker wahr denn als eine weitere kleine Gemeinheit, mit der uns die Filmemacher triezen wollen. rr

Bad Tales - Es war einmal ein Traum | Fotos

Bad Tales - Es war einmal ein Traum | Besetzung

Bad Tales - Es war einmal ein Traum (Poster)