Baby Driver

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Bellbottoms“ von der Jon Spencer Blues Explosion knüppelt aus den Boxen. Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Esgort), der seinen Tinnitus permanent mit lauter Kopfhörermusik übertönt, macht am Steuer passgenaue Moves und bewegt den Mund lippensynchron zum Gesang. Bis Maskierte aus einer Bank stürmen und die erste Autoverfolgungsjagd von vielen folgt, während der Song weiterläuft – eine Choreografie aus Bluesrock, Ballistik und Blechschäden. Es ist kein Zufall, dass Filmemacher Walter Hill später in einem Cameoauftritt zu sehen ist: Regisseur Edgar Wright hat sich dessen Fluchtfahrerklassiker „Driver“ (1980) als Grundlage genommen, und Hill hat mit „Straßen in Flammen“ schon 1984 perfektioniert, was auch Wright angestrebt hat – die beiden am meisten mit Bewegungsenergie ausgestattten Filmgenres zusammenzudenken: das Musical und den Actionfilm. Doch der Soundtrack bleibt hier ein Gimmick. Wrights postironisches Zitatkino hat sein Verfallsdatum überschritten, und in der weit weniger einfallsreichen zweiten Hälfte ordnet der „Shaun of the Dead“-Schöpfer alles einem gewöhnlichen Gangsterplot unter. So bremst der Film sich selber aus, im Wortsinne. Und ist dann sogar das Letzte, was ein musikalischer Actionfilm sein sollte: langweilig. sb

Baby Driver (Poster)