Ayka

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Am Anfang sehen wir vier neugeborene Babys. Eins davon hat gerade Ayka (in Cannes preisgekrönt: Samal Yeslyamova) zur Welt gebracht, eine Kirgisin, die illegal in Moskau lebt und arbeitet. Es ist für sie unmöglich, unter diesen Umständen ein Kind großzuziehen – und so schlägt die hochverschuldete junge Frau kurz darauf ein Fenster ein und flüchtet aus dem Krankenhaus. Der Beginn einer Tour de Force … Regisseur Sergey Dvortsevoy hat einen rauen, in Teilen intensiven Film gedreht, der sich aber damit begnügt, Hoffnungslosigkeit abzubilden. Er zeigt uns die russische Hauptstadt genauso kalt, unwirtlich und grau, wie wir sie schon oft gesehen haben und wie wir sie uns deshalb ohnehin schon vorstellen, und nutzt die Tristesse der Schauplätze zu nicht viel mehr, als das Elend der perspektivlosen Ayka zu verdoppeln. Es ist ihm positiv anzurechnen, dass er sie weder bemitleidet noch verurteilt – doch versucht er auch nicht, ihr näherzukommen, obwohl die rastlose Handkamera permanent an ihrem Rücken klebt. So markiert auch das klammerschließende Bild von vier Hundewelpen, die an der Brust ihrer Mutter saugen, während Aykas Milch unter ihrem T-Shirt ins Leere läuft, keinen Hoffnungsschimmer – es verstärkt nur den Kontrast zum menschlichen Leid. Dann löst sich der Film in Tränen auf. msb

Ayka (Poster)