Axolotl Overkill

„Sollte man sehen“ kulturmovies

In „Axolotl Roadkill“, dem 2010er-Romandebüt der damals 16-jährigen Helene Hegemann, wurde das lurchartige Tierchen Axolotl auf dem Asphalt überrollt – in der von der Autorin selbst verantworteten Filmversion ist der Roadkill zum Massenmord erweitert. Eine Irreführung: Tatsächlich schwächt der Film das Ultrakrasse der Romanvorlage ein wenig ab, konzentriert sich auf die mehr oder weniger realistische Darstellung von jugendlicher Rebellion und Selbstfindung. Mifti (Jasna Fritzi Bauer) verweigert sich Schule und geregeltem Leben, nimmt Drogen, freundet sich mit der ebenfalls an der Grenze zum Absturz tanzenden Schauspielerin Ophelia (Mavie Hörbiger) an und entwickelt eine Besessenheit für die deutlich ältere Alice (Arly Jover). In den besten Momenten taumelt die Kamera wild umher, da verliert Hegemanns Film das Generationenportät-Pathos, das den Roman streckenweise unerträglich machte, und wird zur ziellosen Suchbewegung.

„Tatort“ wird zur Vergleichsgröße zu „Axolotl Overkill“

In den schwächeren Momenten aber wird klar, dass Hegemann sich kein Stück für ihre Figuren interessiert. Lehrer, Vater, Therapeuten: alles Schießbudenfiguren. Und dass gerade Comedian Oliver Polak als Dealer, Sängerin Soap&Skin als Clubact und der im fiesen Berlin-Kino unvermeidliche Bernhard Schütz als Vater in den Nebenrollen primär TV-taugliche Hipness ausstrahlen – das unterstreicht den mutlosen Charakter dieses Films. „Bist du nicht die Zwangsprostituierte aus dem ,Tatort’ letzte Woche?“, fragt Mifti einmal Ophelia. Der „Tatort“ letzte Woche: Das ist die Vergleichsgröße zu „Axolotl Overkill“. fis

Axolotl Overkill (Poster)