Aus dem Leben eines Schrottsammlers

„Muss man sehen“ kulturmovies

Wie lange benötigt ein Mann, um sein Auto mit der Axt in handliche Teile zu zerlegen? Und wie lange, um den Schrott zum Alteisenhändler zu schleppen? Der Erlös wird reichen, damit Nazif (Mujić) die überfällige Stromrechnung bezahlen kann. Aber wie will er danach seine Familie versorgen, so ganz ohne Auto? Oscar-Gewinner Danis Tanović („No Man’s Land“) zeigt den alltäglichen verzweifelten Überlebenskampf einer sesshaften Romafamilie in einem bosnischen Dorf, und überleben ist hier wörtlich zu nehmen, nicht nur weil das Geld oft nicht fürs Essen reicht. Die Frau (Alimanović) erleidet eine Frühgeburt, eine Krankenversicherung hat sie nicht, und das Krankenhaus will für die Behandlung Vorkasse. Zuviel, als dass der Schrottsammler das bezahlen könnte. Die Geschichte ist nicht erfunden, mehr noch: die sie erlebt haben, spielen sie hier noch einmal nach. Hier ist nichts geschönt, gestellt oder gar sentimental, der dokumentarische Blick der Kamera verstärkt zudem die Glaubwürdigkeit der Bilder – und ergreift und fordert den Zuschauer deshalb umso mehr. Zu Recht erhielt das Drama den Goldenen Bären bei der diesjährigen Berlinale. (ascho)

Aus dem Leben eines Schrottsammlers (Poster)