Attenberg

„Muss man sehen“ kulturmovies

„Ich habe noch nie gefickt. Es ist ekelhaft, abstoßend.“ Und das ist nicht alles, was Marina noch nie getan hat. Gleich zu Beginn des Films bringt ihre einzige Freundin Bella ihr das Küssen bei: Eine Szene ohne jegliche Emotionen zeigt zwei Frauen, die sich gegenseitig die Zunge in den Mund stecken. Von da bis zu Marinas erstem Sex ist es ein weiter Weg, der durch triste Industrielandschaften führt, immer wieder zu ihrem krebskranken Vater und schließlich bis zum Bestattungsunternehmer. Einmal nur lässt Regisseurin Athina Rachel Tsangari in diesem sonst so sterilen und von regelrecht eingefroren Szenen dominierten Film Kameraschwenks zu: Die Freundinnen Bella und Marina wandeln einen heftigen Streit in Rivalität um und leben diese auf dem Tennisplatz aus. Ansonsten lebt der untypischste aller griechischen Filme von einer fast schon Michael-Haneke-ähnlichen Sparsamkeit, die perfekt mit dem grandiosen Unterspielen aller Ausdrucksformen durch die Schauspieler harmoniert. (jw)

Attenberg (Poster)